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Riedentreffen 2017

Internationales Rieden-Treffen 2017

vom Freitag, 30. Juni bis am Sonntag, 2. Juli 2017 in Rieden SG / Schweiz

Alpwirtschaft Kohlwald

Trotz nicht ganz so himmlischer Umstände hinter den Kulissen, Marius Kamer liebt seine Arbeit als Älpler und seine Frau Andrea als Gastgeberin im Restaurant. Es ist einer dieser Sommertage im Juli, die einem unten im Tal in Anbetracht der hohen Temperaturen schon am frühen Morgen den Schweiss aus den Poren treibt. Auf etwas über 1000 Meter hingegen scheint zwar auch die Sonne von einem wolkenlosen Himmel, doch das Thermometer zeigt einige Grade weniger und ein leiser Wind weht genüsslich um die Nase. Auf dem Kinderspielplatz herrscht noch gähnende Leere, doch eine kleine Gruppe sitzt bereits auf der Gartenterrasse der Alp Kohlwald bei Kaffee und Gipfeli. «Hier lässt es sich aushalten», meint der ältere Herr und lässt, wie die anderen übrigens auch, seinen Blick über die Linthebene bis hinab zum Zürichsee schweifen. «Herrlich», jeder weitere Kommentar erübrigt sich bei der traumhaft schönen Aussicht. Der Gast trifft hier das an, was ohne Übertreibung als «heile Welt» bezeichnet werden darf. Kochen mit einfachsten Mitteln Seit 2005 ist Alp Kohlwald von Ende Mai bis Oktober das Zuhause von Andrea und Marius Kamer und ihren beiden Töchtern, der zwölfjährigen Leandra und Silvana, zehn Jahre alt. Marius Kamer ist als Älpler von der Ortsgemeinde Rieden angestellt und Andrea Kamer ist für den Restaurantbetrieb zuständig. Sie beginnt in der Küche mit den Vorbereitungen für die Mittagsgäste. Und was steht alles auf der Speisekarte? «Salatteller, Plättli mit Käse und Speck, heisse Würstli mit Brot oder Kartoffelsalat, auf Vorbestellung auch Älplermaggronen und im Herbst Fondue.» Doch jetzt bekommt die erwähnte heile Welt zum ersten Mal einen Dämpfer. «Wir haben keinen Strom im Haus, das heisst, es wird alles mit dem Gaskocher zubereitet, der Kühlschrank mit einem Generator in Betrieb gehalten und wenn es draussen kühl wird, heizen wir mit Holz.» Dass die Küche in Grösse und Ausstattung nicht im Luxussegment angesiedelt und diese nur über eine schmale Treppe erreichbar ist, nimmt


Andrea Kamer ziemlich gelassen. «Wir kennen seit Jahren nichts anderes.» Dennoch macht es ihr Spass, neben den Tagesgästen auch Gesellschaften kulinarisch zu verwöhnen. «Ob Hochzeiten, Vereinsanlässe, Geburtstage, Taufen oder Erstkommunionen, die Leute wissen schon bei der Reservierung, dass sie nicht das gleiche Essen wie im Dorf bekommen.» Dass das Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert, darüber freut sich Andrea Kamer speziell, schliesslich ist das Restaurant die Haupteinnahmequelle. Anspruchsvolle Tiere Inzwischen ist Marius Kamer von seinem ersten Rundgang zu den verschiedenen Weideplätzen zurückgekehrt und meldet keine besonderen Vorkommnisse. Zur Bemerkung seiner Frau, dass er Älpler mit Herzblut sei, nickt er zustimmend. «Es ist kein Beruf, sondern eine Berufung», fügt er hinzu. 78 Rinder und Jungvieh aus dem Toggenburg, Rieden und den umliegenden Gemeinden samt etlichen Kleintieren befinden sich unter seiner Obhut. Dazu kommen noch ein Dutzend schottische Hochlandrinder. «Die werden aber separat gehalten, damit der Stier nicht alle deckt.» Ein Schmunzeln kann sich bei dieser Aussage natürlich niemand verkneifen. Auf rund 60 Hektaren Land weiden die Tiere, das, entgegen der laienhaften Meinung, auch gepflegt werden muss. «Die Tiere sind heikel und anspruchsvoll», weiss Marius Kamer aus Erfahrung, «entsprechend müssen die Wiesen gemäht werden, damit Junggras nachwachsen kann.» An sehr heissen Tagen steht den Tieren tagsüber ein Laufstall zur Verfügung, ein Ort, den auch an diesem Tag einige Rinder bevorzugen. Auf festliche Alpauf- und Alpabzüge angesprochen meint Marius Kamer, dass dem in der hiesigen Region kein Stellenwert eingeräumt wird. «Unsere Alp ist durch Fahrstrassen erschlossen und somit werden auch die Tiere im Herbst mit dem Auto abgeholt.» Der Älpler ist ein billiger Dienstleister So positiv Marius Kamer seine Tätigkeit als Älpler aufzeigt, es gibt auch eine Kehrseite der Medaille. «Wir Älpler sind Dienstleister im hintersten Grad, die in keiner Form Unterstützung finden. Wir arbeiten mit den billigsten und ältesten Mitteln», spricht er Klartext. Es sei kein Wunder, dass niemand mehr Interesse zeige, auf einer Alp zu arbeiten. Die Landwirtschaftspolitik sei weit weg von den Älplern und die guten und innovativen Leute würden sich einen anderen Job in der Landwirtschaft suchen. Im Gegensatz zum Bauern bekomme man den Älpler fast nie zu sehen, obwohl er Verantwortung für Tiere im Wert von zig hunderttausend Franken trage. «Mit dem Lohn eine Familie zu ernähren, ist undenkbar, wir sind zwingend auf das Einkommen im Restaurant angewiesen.» Als absoluten Glücksfall bezeichnen Marius Kamer und seine Frau, dass er während der Wintermonate, in denen Alp und Restaurant geschlossen sind, in einer Glarner Firma als Mechaniker arbeiten kann. «Ein guter Verdienst mit einem Achtstundentag und einer Fünftagewoche.» Es gebe immer wieder Momente, in denen er sich frage, für was er das alles mache. Die Antwort gibt er auch gleich selbst: «Ich liebe die Tiere und die Unterhaltung mit den Gästen im Restaurant, auch wenn letzteres nicht als Arbeit zählt.» Wohnen zwischen Betonwänden? Nein danke «In der Stadt leben mit dem vielen Beton und dem Lärm und ohne Tiere, das können wir uns nicht vorstellen.» Die identischen Aussagen von Leandra und Silvana sind eindeutig. Sie seien hier auf der Alp und im nahe gelegenen Wohnhaus aufgewachsen und daran soll sich in nächster Zeit auch nichts ändern. Dass ihr Schulweg nach Rieden zu Fuss und mit dem Schulbus ein bisschen länger ist als derjenige

von Mitschülern, die direkt im Dorf wohnen, hat beide noch nie gestört. «Natürlich wäre es schöner, die Schulkollegen mal rasch besuchen zu können, aber im Sommer kommen etliche gerne zu uns auf die Alp», bemerkt Leandra. Mit dem Übertritt in die Sekundarschule in Gommiswald beginnt für sie nach den Sommerferien ein neuer Lebensabschnitt. Derzeit bereitet sie sich auf die Töffliprüfung vor, womit sich der Schulweg dann auch einfacher gestaltet. Tiere stehen im Mittelpunkt Ob in der Küche oder im Restaurant, in der freien Zeit im Betrieb Hand anlegen, ist für die Geschwister eine Selbstverständlichkeit. Allerdings bevorzugen beide die Pflege von Hasen, Hühnern, Geissen und Alpaka, die rund um das Restaurant ihre Stallungen und freien Ausläufe haben. Und das auch ausserhalb der Ferienzeit, da wird morgens vor der Schule und abends gefüttert, die Geissen gemolken und die Ställe gemistet. Denn eines wissen Leandra und Silvana genau: «Wenn wir die Tiere nicht mehr versorgen, dann wird der Bestand abgebaut, denn weder unsere Mutter noch unser Vater haben genügend Zeit, sie alle zu versorgen.» Und das darf, solange sie zu Hause wohnen, auf keinen Fall passieren.

Wanderwegkarte Rieden